Freitag

Programm Freitag

Tagsüber Tagung & abends Festival
Bitte melden Sie sich bis zum 11. Juni 2017 für das Tagungsprogramm unter diesem Formular an.

Die Keynote stellt den Zusammenhang her zwischen fehlenden machtkritischen Positionen im Wissenskanon, ausschließenden Strukturen und den Diskriminierungserfahrungen, die Diversitätsarbeitende im beruflichen Alltag erleben. Die Panels und Workshops vertiefen diese Themen: Während zunehmend auch auf kommunaler- und Länderebene Entwicklungsprozesse zur Diversifizierung des Kulturbereichs angestoßen werden, haben marginalisierte Communities schon seit langer Zeit eigene Räume für ihre künstlerische Praxis geschaffen. Dabei scheitern von Diskriminierung betroffene Akteur*innen jedoch weiterhin oft an der etablierten Vorstellung von ästhetischer Praxis und institutionellen Hürden. Verschiedene Initiativen haben daher Zusatzprogramme entwickelt, um den aus den aus Kunstinstitutionen ausgeschlossen Akteur*innen die Möglichkeit zur Professionalisierung zu bieten und damit den Kulturbereich insgesamt diverser zu gestalten.

Eine Juristin gibt praktische Hinweise, wie Asylsuchende für ihren Beitrag bei der Projektarbeit bezahlt werden können. Außerdem werden anhand zweier internationaler Beispiele Selbstermächtigungsbewegungen (Disability Arts and Post-Black Art) vorgestellt, die ein anderes Selbstverständnis marginalisierter Positionen vertreten. Auch Sprache ist ein wichtiges Thema, wenn es um Diversität geht: ein Online-Glossar beschäftigt sich damit, wie nicht-diskriminierende Sprache sich für die Praxis umsetzen und erläutern lässt.

9:00 – 10:00 Uhr
Anmeldung im Foyer (Podewil)

10:00 – 10:30 Uhr
Willkommensworte

Dr. Klaus Lederer, Senator für Kultur und Europa
Moritz van Dülmen, Geschäftsführer Kulturprojekte Berlin GmbH
Bahareh Sharifi & Timo Köster (Team Interventionen)

10:30 Uhr Keynote

Der Vortrag untersucht das Konzept der dekolonialen Ästhetik aus einer kunstpädagogischen Perspektive und benennt dabei Fallstricke der Diversitätspolitik. Dekolonialität wird hier als eine Praxis verstanden, die eurozentrische Erkenntnistheorien verändern möchte und die Bedeutsamkeit von Wissensproduktion aus verschiedenen (lokalen) geopolitischen Kontexten in den Mittelpunkt stellt. Sie zeigt auf, wie wichtig es ist, Räume für vernachlässigte Wissenstheorien zu schaffen. Doch wie genau sieht das im Unterrichtsraum aus? Und auf welche Weise ist die (Selbst-)Inszenierung des Anderen mit der Logik institutioneller Diversitätsarbeit verbunden?

Nana Adusei-Poku

11:30 Uhr Pause

13:00 Uhr Workshops, Inputs, Panels und Gespräche

In Ihrem Workshop zeigt Paola De Martin auf, dass das, was wir als „schönes“ oder „cooles“ Design beurteilen, von passivem Wissen geprägt ist, das über lange Zeit erlernt werden will. Anhand ausgewählter Interviewpassagen mit Designer*innen, die aus Zürichs Arbeitermilieus ins Designfeld aufsteigen, zeigt der Workshop auf, inwieweit dieser lange Lernprozess den Interviewten verwehrt bleibt, und wie ihre Benachteiligung zu einem Bruch in der Wahrnehmung der „schönen“ Welt des Designs führt.

Auch in den Kommunen und auf Länderebene gewinnt das Thema Diversität in einer kulturbereichsspezifischen Betrachtung an Bedeutung. Je nach landes- und kommunalspezifischen Schwerpunktsetzungen und Organisationsstrukturen existieren unterschiedliche kulturpolitische Konzepte, Prozesse und Programme. Ziel des Panels ist es, verschiedene Ansätze und Entwicklungen aus Kommunen bzw. den Ländern vorzustellen. Wir möchten uns über Potenziale, Erfahrungswerte und Herausforderungen austauschen und eine längerfristige Zusammenarbeit zwischen den Akteur*innen in den Kommunen und auf Länderebene anregen.

Lena Prabha Nising ([in:szene] – mehr Vielfalt im Kulturbetrieb, Hamburg; Laura Helen Rüge (Behörde für Kultur und Medien Hamburg), Dr. Petra Winkelmann (Kulturamt Düsseldorf) und n.n. (Kulturreferat München, angefragt)

Moderation: Sandrine Micossé-Aikins (DIVERSITY.ARTS.CULTURE – Berliner Projektbüro für Diversitätsentwicklung)

Durch die Paralympics in London erlebten die Disability Arts (Werke von Künstler*innen mit Behinderung) einen kleinen Boom in Großbritannien, welcher sie näher zum Mainstream rückte. Trotzdem gibt es immer noch viele strukturelle und institutionelle Barrieren für Kunstschaffende mit Behinderung. Diese Präsentation behandelt die Geschichte der Disability Arts in England, stellt Strategien betroffener Akteur*innen bezüglich dieser Barrieren vor und erörtert, wie diese Ansätze verschiedene Kunstformen bereichern.

Nina Mühlemann

Moderation: Johanna Zinecker

Der Begriff “Post-Black Art“ wurde 2001 eingeführt im Zuge der Ausstellung „Freestyle“ im Studio Museum Harlem, New York, die erste innerhalb einer vierteiligen Ausstellungsreihe. Post-Black Art wurde kritisch rezipiert, da sie den Diskursraum der Künste unmittelbar verließ und Teil des Diskurses über Gesellschaft und Identitätspolitik allgemein wurde – insbesondere nachdem Thelma Golden in einem Interview mit der Seattle Post 2003 „post-black“ zum „new black“ erklärte. Damit befeuerte sie eine Rhetorik, die, auch durch die erste Schwarze Präsidentschaft, Eintritt in alltägliche Diskurse fand, in denen „alles von Nachhaltigkeit bis Homosexuell-Sein“ als das „new black“ bezeichnet wurde. Diese Rhetorik wurde schon bald darauf auch kommerziell verwendet. „Post-black“ etablierte sich als eingängiger Begriff für neu entstehende Identitätspolitiken im US-Amerikanischen Kontext, während der eigentliche Diskurs über die Kunst überschattet wurde. Der Vortrag „Post-Black Art“ lenkt den Fokus zurück auf die Kunstwerke und den kuratorischen Rahmen. Es wird aufgezeigt, inwiefern Post-Black Art eine wichtige Rolle spielt, da ihre Kunstwerke immer wieder auf die Konstruktion von Schwarzsein und dessen sozialer Wirklichkeit hinweisen, jedoch mit anderen Mitteln als die der vorherigen Generation.

Nana Adusei-Poku

Moderation: Stacie Graham

Marginalisierte Gruppen sind in Kulturinstitutionen unterrepräsentiert.  Durch unterschiedliche Aus- und Weiterbildungsprogramme, die sich an diese Gruppen richten, wird versucht dem entgegen zu steuern. Diese Programme haben unterschiedliche Ansätze und Herangehensweisen an die Problematik. Gemeinsam haben sie jedoch, dass sie Ausschlussmechanismen sichtbar machen wollen. Mit der *foundationClass, dem diverCITYLAB und The Artist Training möchten wir ins Gespräch kommen über ihre Expertisen und Erfahrungen. Wie gelingt ihre Arbeit? Welche Herausforderungen gibt es? Welche Chancen und Schwierigkeiten entstehen für die Teilnehmer*innen ihrer Projekte? Und: Sollten Themen und Ansätze, die in diesen Programmen verhandelt werden, nicht (eigentlich) als Querschnittsthemen behandelt werden?

Asli Kişlal, Dr. Melanie Waldheim, Miriam Schickler , Ahmed Isam Aldin & Ulf Aminde

Moderation: Trang Tran Thu

15:00 Uhr Pause

15:30-17:30 Uhr Workshops, Inputs, Panels und Gespräche

Das Berliner Stadtbild ist ebenso wie die Kunst, Kultur, Wirtschaft und Politik der Gegenwart von kolonialen Kontinuitäten geprägt. Kritisch gelesen offenbart Berlins Mitte Verbindungslinien, die vom Versklavungshandel und Kolonialismus zum Nationalsozialismus und darüber hinaus weisen. Kolonialaggression, aber auch antikolonialer Widerstand sind als unauslöschliche Eindrücke in den deutschen Alltag eingeschrieben. Eine Stadttour als Spurensuche (vom Ermelerhaus über die M-Straße zu Humboldtuniversität und -forum). Treffpunkt 15:15 (Foyer)

Joshua Kwesi Aikins

Im Diskurs um Diversität im Kulturbetrieb erscheint ein Punkt scheinbar unlösbar: Wie kann eine nachhaltige Veränderung der Institutionen vonstattengehen? Dabei haben marginalisierte Communities schon längst aufgezeigt, wie das möglich sein könnte. Nicht zuletzt aus der Ausschlusserfahrung heraus haben sie für sich Räume geschaffen, um eigene Kunst- und Kulturpraxen zu entwickeln. Drei Institutionen, die ursprünglich aus Communitykontexten entstanden sind, stellen die Entwicklung zur Institution vor – mit den verschiedenen Hindernissen und erfolgreichen Strategien.

Aykan Safoğlu, Heiner Schulze (Schwules Museum), Philippa Ebene (Werkstatt der Kulturen), Anne Wiederhold-Daryanavard (Brunnenpassage Wien)

Moderation: Gülay Gün (Museum der Arbeit)

Im Rahmen der KontextSchule wird aktuell ein Online-Glossar entwickelt. Unter Beteiligung von Lehrpersonen, Schüler*innen und Künstler*innen werden darin zentrale Begriffe aus postkolonialen und queeren Theorien sowie kritischen Bildungsdiskursen für Akteur*innen an Schulen beschrieben. Mit Blick auf ihre Verwendung im Schulkontext werden Begriffe wie Lookism, Empowerment, Postkolonialismus oder Critical Whiteness beispielhaft erläutert und mit Arbeitsmaterialien verlinkt. Die Vielstimmigkeit der mitwirkenden Autor*innen soll sich dabei sowohl in den gewählten Sprachregistern (von journalistischen über wissenschaftliche bis zu lyrischen Textsorten), als auch in den gewählten Medien und Formaten (Texte, Podcast, Zeichnungen, Videos) abbilden. Der Workshop dient dazu, das Vorhaben und den Stand der Zusammenarbeit vorzustellen. Außerdem möchten wir uns als Autor*innenkollektiv mit anderen Akteur*innen aus Schule, Kunst und Aktivismus darüber austauschen, wie das Glossar zukünftig von ihnen angeeignet und weiterentwickelt werden könnte.

Aïcha DialloDanja Erni und  Chantal-Fleur Sandjon

Wenn der Kulturbetrieb Raum für Geschichten marginalisierter Communities schafft, wird oft nur über Menschen gesprochen, anstatt Menschen für sich selbst sprechen zu lassen. Die Arbeit auf Augenhöhe im Kunst- und Kultursektor (besonders in Bezug auf Asyl) ist ein Muss. Sehr wichtiger Bestandteil hierbei ist, dass geflüchtete Menschen für ihre Arbeit auch vergütet werden. Leider ist das viel zu selten der Fall. Zum einen begünstigt die Förderlandschaft der Kulturellen Bildung oft keine bezahlten Arbeitsmöglichkeiten für geflüchtete und asylsuchende Menschen, zum anderen fehlt in Projekten selbst das juristische Wissen über Einstellungs-/Bezahlungsoptionen. In diesem Workshop wird Nina Hager, Anwältin für Asyl- und Fluchtrecht, Teilnehmenden einen Überblick über Vergütungsmöglichkeiten geben.

Nina Hager