Samstag

Programm Samstag

Tagsüber Tagung & abends Festival
Bitte melden Sie sich bis zum 11. Juni 2017 für das Tagungsprogramm an unter diesem Formular an.

Die Keynote zeigt anhand eines Performancefestivals im südiranischen Shiraz (1967-77), wie ein grenzüberschreitender Kunstbegriff aussehen kann: Mit seinem Fokus auf Produktionen aus Asien, Südamerika und Afrika widersetzte sich das Festival dem europäischen Verständnis von Kunst, indem keine Trennung zwischen traditionellen Riten und künstlerischen Praxen gezogen wurde.

Verschiedene Workshops stellen im Anschluss aktuelle Methoden und Ansätze für eine kritische Kulturpraxis vor: intersektional werden jeweils unterschiedliche Ausschlussformen wie Rassismus, Ableismus oder Klassismus behandelt. Themen sind unter anderem Sprache und Machtkritik, diskriminierungskritisches Schreiben sowie Strategien für eine nklusive Berliner Kunst- und Kulturlandschaft. Ein Workshop beschäftigt sich mit Positivbeispielen von Diversitätsarbeit und greift Fragestellungen der Panels zu Selbstermächtigungsstrategien und Diversitätsentwicklung in Kommunen vom Vortag auf.

Es gibt eine Einführung in das Konzept der Intersektionalität, sowie eine geführte Tour, die aufzeigt, wie stark die koloniale Geschichte Deutschlands bis heute das Berliner Stadtbild prägt.

11 Uhr

Keynote

Das Festival der Künste war ein radikales, künstlerisches und kulturelles Festival der darstellenden Künste, das 1967-1977 jährlich im Sommer in Shiraz und den antiken Ruinen von Persepolis stattfand. In den frühen 1970er Jahren wurde das Festival der Künste ein wichtiger Akteur in einem komplexen Netzwerk kreativen Ausdrucks, das die Trennungen von Nord-Süd und Süd-Süd sowie des Kalten Krieges überschritt. Es formulierte eine radikale Dritte-Welt-Perspektive (Original: Third Worldism) im Einklang mit der Bewegung der Blockfreien Staaten und ermöglichte damit einen einzigartigen transformativen Raum künstlerischen Austausches und künstlerischer Erfahrung. Das Festival war erfolgreich in seinem künstlerischen und diplomatischen Unterfangen, Künstler*innen über die Nord-Süd-Teilung und beide politischen Seiten des Kalten Krieges hinweg zusammenzubringen.

Vali Mahlouji

12 Uhr Pause

13 Uhr Workshops, Inputs, Panels und Gespräche

Im Workshop wird der Arbeitsstand des Projektes vorgestellt und diskutiert, das Carmen Mörsch im Rahmen ihres Senior Fellowships der Stiftung Mercator Deutschland und angedockt an die Alice Salomon Hochschule für Sozialarbeit entwickelt. Sie beschäftigt sich dabei mit der Entwicklung von Formaten und Materialien für die Weiterbildung von Multiplikator*innen der kulturellen und künstlerischen Bildung mit dem Ziel, deren Praxis diskriminierungskritisch zu gestalten.

Beginnend mit einer Verortung in post- und dekolonialen Zusammenhängen gebe ich am Beispiel ausgewählter Arbeiten einen Einblick in meine künstlerische Praxis sowie deren Motivation und Antrieb. Zentral ist dabei mein Begehren koloniale Wissens- und Blickproduktionen offenzulegen. Ausgehend von einer theoretisch-künstlerischen Auseinandersetzung mit gewaltvollen Blickregimen in Ausstellungsräumen, geht es dabei um Möglichkeiten, dem Nachhallen kolonialer Gewalt zu begegnen, ohne gewaltvolle Verhältnisse zu reproduzieren.

Belinda Kazeem-Kamiński

Anschließend moderiertes Gespräch mit Ivana Pilic.

Welche Begriffe, Konzepte und Herangehensweisen erschweren, welche befördern die nachhaltige Diversifizierung und Pluralisierung des Kulturbetriebs? Der Workshop lädt dazu ein, auf Basis menschenrechtlicher und diskriminierungskritischer Perspektiven neue Pfade durch das Begriffsdickicht einzuschlagen. Jenseits der Engführung von Begriffen wie „Migrationshintergrund“ und „interkultureller Öffnung“ werden positive Beispiele aus dem In- und Ausland mit Recherchen aus dem Berliner Kontext zu konkreten Handlungsoptionen verdichtet.

Joshua Kwesi Aikins

Geht es um Fragen rund um Diversity und diskriminierungskritische Ansätze im Kunst- und Kulturbereich, sollte das Thema Intersektionalität, also das Zusammenwirken unterschiedlicher Diskriminierungsformen, nicht zu kurz kommen. Gemeinsam werfen wir einen Blick auf Sprache, Bilder und Narrative, die im Kulturbereich immer wieder präsent sind. Inwiefern werden unterschiedliche Zugehörigkeiten, Positionierungen und Diskriminierungen sichtbar und wie überschneiden und beeinflussen sie sich? Der Workshop führt in das Konzept der Intersektionalität ein. Um eine intersektionale Perspektive auf den Kulturbereich einzunehmen, brauchen die Teilnehmer*innen die Bereitschaft, sich selber und die eigenen Privilegien zu reflektieren. Es werden dann gemeinsam Strategien erarbeitet.

Jana_Lou Herbst

In diesem Workshop stellt sich Berlinklusion – das neugegründete Berliner Netzwerk für Zugänglichkeit in Kunst und Kultur – vor. Gemeinsam mit  Teilnehmer*innen arbeiten Künstler*innen mit und ohne Behinderung in einem praktischen kreativen Workshop mit  Bezug  auf die Geschichte und materiellen Gegebenheiten des Podewils und seiner Umgebung.  Abschließend setzt sich der Workshop mit  bestehenden Strukturen im Kulturbereich auseinander. Hierbei werden deren Einschränkungen und Auswirkungen auf die Inklusion bzw. Ausgrenzung, sowie die unberücksichtigten Möglichkeiten der Zugänglichkeit diskutiert.

Kate Brehme, Kirstin Broussard, Jovana Komnenic and Dirk Sorge

15 Uhr Pause

15:30 Workshops

Wie lässt sich sprachliche Diskriminierung in Text- und Bildbeiträgen analysieren? Wie kann diskriminierungsarme Sprache aussehen und was steht hinter der Forderung nach „respektvoller“ Berichterstattung? Am Beispiel der Darstellung von Armut bzw. Armutserfahrungen behandelt der Workshop unterschiedliche mediale Strategien zum Thema. Anhand der gegenwärtigen Arbeits- und Zugangsbedingungen im Medienfeld soll zudem die – vielerorts fehlende – „Diversität“ in den Redaktionen diskutiert werden.

Vina Yun

Bei vielen Kulturinstitutionen und Kulturbetrieben wird mittlerweile die Notwendigkeit der Öffnung und Diversifizierung des Programms, des Personals und des Publikums thematisiert. Nun haben sich einige größere Institutionen für diesen Prozess entschieden. Eingeladen sind Anja Schütze von der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ), die zusammen mit Soma Said an einem Transformationsprozess zur Öffnung der kulturellen Freiwilligendienste arbeitet, und Vanja Mandić, die von ihren Erfahrungen als Museumsstipendiatin im Projekt „Kulturelle Vielfalt und Migration“ berichten  wird. Sie werden sich über die Schwierigkeiten und Chancen ihrer jeweiligen Programme austauschen und diskutieren, was es tatsächlich bedeutet, sich ernsthaft auf einen solchen Prozess einzulassen.

Vanja Mandić, Anja Schütze

Moderation: Lena Prabha Nising

Das Berliner Stadtbild ist ebenso wie die Kunst, Kultur, Wirtschaft und Politik der Gegenwart von kolonialen Kontinuitäten geprägt. Kritisch gelesen offenbart Berlins Mitte Verbindungslinien, die vom Versklavungshandel und Kolonialismus zum Nationalsozialismus und darüber hinaus weisen. Kolonialaggression, aber auch antikolonialer Widerstand sind als unauslöschliche Eindrücke in den deutschen Alltag eingeschrieben. Eine Stadttour als Spurensuche (vom Ermelerhaus über die M-Straße zu Humboldtuniversität und -forum).

Joshua Kwesi Aikins

Geht es um Fragen rund um Diversity und diskriminierungskritische Ansätze im Kunst- und Kulturbereich, sollte die Thematisierung von Intersektionalität nicht zu kurz kommen. Gemeinsam werfen wir einen Blick auf Sprache, Bilder und Narrative, die im Kulturbereich immer wieder präsent sind. Inwiefern werden unterschiedliche Zugehörigkeiten, Positionierungen, Diskriminierungen und deren Überschneidungen und Beeinflussungen sichtbar? Wie wird damit umgegangen? Wie interagieren unterschiedliche Formen der Diskriminierung und welche Auswirkungen hat das auf die Lebens- und Arbeitssituation von Menschen? Welche Möglichkeiten gibt es, die unterschiedlichen Diskriminierungserfahrungen im Kunst- und Kulturbereich zu thematisieren und Strategien dagegen zu entwickeln? Auf welchen Ebenen könnten diese Strategien ansetzen? Der Workshop führt in das  Konzept von Intersektionalität ein und gibt den Teilnehmer_innen die Möglichkeit, eine intersektionale Perspektive auf den Kulturbereich einzunehmen. Dafür braucht es die Bereitschaft, sich selber und die eigenen Privilegien zu reflektieren. Es wird keine Checkliste geben, sondern vielmehr die Möglichkeit, gemeinsam Strategien zu erarbeiten.

Jana_Lou Herbst

In diesem Workshop stellt sich Berlinklusion – das neugegründete Berliner Netzwerk für Zugänglichkeit in Kunst und Kultur – vor. Gemeinsam mit  Teilnehmer*innen arbeiten Künstler*innen mit und ohne Behinderung in einem praktischen kreativen Workshop mit  Bezug  auf die Geschichte und materiellen Gegebenheiten des Podewils und seiner Umgebung.  Abschließend setzt sich der Workshop mit  bestehenden Strukturen im Kulturbereich auseinander. Hierbei werden deren Einschränkungen und Auswirkungen auf die Inklusion bzw. Ausgrenzung, sowie die unberücksichtigten Möglichkeiten der Zugänglichkeit diskutiert.

Kate Brehme, Kirstin Broussard, Jovana Komnenic and Dirk Sorge

18 Uhr Konzerte

Elsa aka AMET ist eine Klangkünstlerin aus Kamerun, die zum Teil in Deutschland aufgewachsen ist. Sie arbeitet mit zeitbasierten Medien, meist in Form von Sound Performance und experimentellen Podcast. Ihre Arbeit verwendet Wörter und Töne in Form von Transcoding, Code-Switching und Algorithmen. Ihr aktueller Arbeitsprozess findet vor allem in afrikanischen und diasporischen Gemeinden statt und versucht, ein feines Abbild der elektronischen Griotage zu schaffen, die von der Vergangenheit in die Zukunft reicht. Wie der Philosoph Mudibe sagte: „Afrika ist eine Erfindung, deshalb müssen Afrikaner*innen sich selbst (neu) erfinden.“
soundcloud.com/elsambala

Da Kedi Mina eritreischer Abstammung ist, sind Musik und Tanz eine künstlerischer Weise, mit ihren Wurzeln ihrer Familie wieder in Verbindung zu treten.  Sie lebt jetzt in Berlin und beschäftigt sich mit Themen wie Einheit, Liebe, Freiheit und soziale Gerechtigkeit.
Ihr Klang ist eine Mischung aus Trip-Hop, Soul und R & B. Ihre Musik ist für all jene, die ihre Stimmen benutzen, um gesellschaftlichen Wandel zu bewirken und einen Einfluss zu haben. Ihr Hauptaugenmerk liegt darauf, Menschen zu ermächtigen keine Furcht zu haben, – vor allem diejenigen, die mit Unsicherheiten kämpfen. Einen kleinen Vorgeschmack erhaltet ihr in ihrem Video zum Song ‚Affection.‘

Geboren in Mombasa und aufgewachsen in Köln singt Leila Akinyi auf Deutsch und Swahili und verbindet in ihrer Musik Rap, Soul und Afrobeat. Selbstbewusst stellt sie Fragen nach kultureller Zugehörigkeit als Kenianerin in der Diaspora und thematisiert ihre Erfahrungen als Afro-Deutsche in einer weißen Gesellschaft – dabei führt sie rassistische Stereotype gegenüber Menschen of Color vor wie in ihrem Track ‚Afro Spartana.‘ Hier geht’s zum Video.

In ihrer Musik erforscht Nadia die Grenzen der persönlichen und politischen Identität. Geboren in Schweden als Muslim mit einem iranischen Hintergrund, waren ihre Teenager-Jahre durch Missverständnis und das Gefühl der Nicht-Zugehörigkeit gekennzeichnet. Dies stellt  die wesentliche Grundlage für ihre zukunftsorientierte Musikschöpfung dar, die durch Selbstdarstellung, die Widersetzung von Autoritäten und der Überschreitung von Grenzen gekennzeichnet ist. Ihr Klang wird durch die grenzenlose und rebellierende  Punk-Haltung initiiert und auf alles zwischen zerbrechlichen Pop-Melodien, rhythmischen Elektro-Beats und Hip-Hop angewendet.
http://nadiatehran.com